Rede vom 20.06.2015 von Claus Seifert

Der Bürgermeister der Stadt Scheinfeld, unter anderem auch Mitorganisator von Scheinfeld ist bunt, Herr Claus Seifert, hat ebenfalls am 20.06.2015 bei unserer Veranstaltung eine Rede gehalten. Auch diese Rede wurde von uns aufgezeichnet, und Herr Seifert hat sein Einverständnis der Veröffentlichung gegeben welche Euch hier nun zur Verfügung steht.

 

 Den Text der Rede gibt es auch hier nun zum lesen:

"Sehr verehrte Damen und Herren, werte Ehrengäste, lieber Kollege Horst Herbert, vor allem aber sehr verehrte Stammheimer und liebe Kinder, denn ihr seid unsere größte Motivation!

Herzlichen DANK für die Einladung. Ich fühle mich geehrt, ein paar Worte an Sie richten zu dürfen. Scheinfeld im südlichen Steigerwald war im Oktober 2013 Austragungsort des größten Hassrock-Konzerts von Rechtsextremisten in Bayern seit Jahrzehnten. Rund 1000 Neonazis zelebrierten ihren Hass gegen Christen, Juden, Fremde, Homosexuelle, Behinderte, Obdachlose und Reiche – alles nachzulesen in den Liedtexten von Bands namens Terrorsphära, Terroritorium, Nahkampf, Sturmwehr und so fort.

Geschickt nutzten die Verantwortlichen aus den Reihen der NPD den Rechtsstaat, moderne Technik und das Einverständnis eines gewissensfreien Pächters, um andere Menschen zu verachten, zu verhöhnen und bewusst den Boden zu bereiten für Hass und Gewalt. Und tatsächlich wurden die Neonazis am Ende des NPD-Bayerntages zur Europawahl im Mai 2014 gewalttätig – am Ende sogar mit Eisenstangen. Noch heute laufen die Prozesse gegen die rechten Täter, wegen Beleidigung, Besitz unerlaubter Symbole, schwerer Körperverletzung…Nach den Erfahrungen in Scheinfeld bereitet es mir sehr große Sorge, wenn Die Rechte in ihrem eigenen Bericht zur Gründungsveranstaltung vor einigen Wochen hier mehrfach und vornehmlich vom „politischen Kampf“ spricht. Neonazis meinen damit nicht den Einsatz für höhere Werte – sondern wie bei uns überdeutlich wurde physische Gewalt, die sich einreiht in den systematischen rechten Terror, dem allein seit der Wende mind. 60 wahrscheinlich aber über 180 Menschen zum Opfer fielen. Übrigens: Die Schmähungen und brutalen Angriffe in Scheinfeld mussten vor allem die Beamten unserer Polizei erdulden und erleiden –noch heute bin ich dem Führungsstab der Polizei wie dem Bereitschaftspolizisten an der Absperrungen dankbar für deren großartigen Einsatz!

Wir Demokraten, wir Verantwortliche im Gemeinderat oder Kreistag, wir Landräte oder Bürgermeister schwören einen Eid, unsere Freiheitlich Demokratische Grundordnung zu verteidigen. Wenn verfassungsfeindliche Gruppierungen keinen Zweifel daran lassen, dass für Sie Angriffe gegen die Würde anderer Menschen kein Tabu sind, sind wir als Demokraten und wie ich finde gerade auch wir Christen aufgerufen, uns schützend vor unsere Bürgerinnen und Bürger zu stellen und die Aktionen der Ultrarechten das zu nennen was sie sind: neonazistische Umtriebe, die wir alle hier nicht wollen und niemals unwidersprochen dulden werden.

Es ist großartig zu sehen, wie Stammheim reagiert und mehrfach gezeigt hat, was es wirklich ist. Friedvoll, herzlich, wunderschön und bunt! Es ist großartig zu sehen, dass die Stammheimer vom ersten Moment an aktiv wurden, um für IHRE Heimat einzutreten. In meiner alten Heimat, in Wunsiedel haben zu viele Einheimische geglaubt, man werte die Neonazis nur auf, wenn man sich ihnen entgegenstellt. Wunsiedel hat weggeschaut. Und die Ultrarechten haben das als Einladung verstanden – und schnell waren mehrere Tausend Anhänger der Ideologie von Rudolf Hess ins Fichtelgebirge gereist. Erst dann begannen die Wunsiedler aufzustehen – mit Leidenschaft, Ausdauer und bewundernswerter Fantasie. Doch wenn Wunsiedel heute zu den bayerischen Städten mit der schlechtesten Einwohnerentwicklung gehört, dann auch deshalb, weil die Stadt heute leider nicht zuallererst für den Dichter Jean Paul, die Luisenburgfestspiele und Tourismus steht. Für Stammheim steht also viel auf dem Spiel.

Doch Stammheim hat es besser gemacht. Ich kann Sie und Euch alle nur ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und in intensivster Zusammenarbeit mit anderen Behörden, der Polizei, den Kirchen, Vereinen, Parteien und – ja ausdrücklich auch – den organisierten Widerstandsgruppen ohne Unterlass den neonazistischen Frontmännern und ihren Mitläufern klar zu machen, dass diese nicht willkommen sind, nicht in Stammheim, nicht in Kolitzheim, nicht im Steigerwald – nirgendwo. Wir Scheinfelder helfen gerne mit, der ganzen Welt zu zeigen: Stammheim ist friedvoll, herzlich, schön und bunt – und soll es bleiben!"

 

Die Rede steht auch auf unserem Youtube-Channel bereit: https://www.youtube.com/watch?v=aCLVizOaXZY

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